Zeitungsbedarf in Mecklenburg-Vorpommern

Die Frankfurter Allgemeine hat sich in einem Artikel mit der jounalistischen Realität im Osten Mecklenburg-Vorpommerns auseinandergesetzt.  Sie greift hierbei die Situation des Nordkuriers und dessen Entwicklung seit der Wende im speziellen und die journalistische Situation im Land im allgemeinen auf.

Hierbei wird die fehlende wirtschaftliche Möglichkeit Zeitung im klassischen Sinne zu produzieren bedauert, deren Notwendigkeit aber betont.

Neben dem fehlenden örtlichen Jouranlismus, der komplexere Vorgänge vor Ort hinterfragen und aufbereiten könnte wird auch der Wegfall eines “Mantelteils” mit Überregionalen Informationen bedauert.

Die grundsätzliche Beobachtung, dass eine kritische Diskurskultur in weiten Teilen der Bevölkerung nicht angekommen sei, mag ich aus meinen subjektiven Erfahrungen in Rostock, wo ich seit 2006 lebe, nachvollziehen. Auch die Folgerung, dass Medien hier eine Hilfe sein könnten um die Kultur zu vermitteln, erscheint mir plausibel.

Fraglich aber erscheint mir das Festhalten an klassichen Printmedien und dem Anklang am Ende des Artikels, dass diese ggf. auch subventioniert werden müsse, wenn ein geeigneter Markt nicht mehr existiere.

Zwar wäre es überlegenswert, darüber nachzudenken, ob es nicht eher öffentliche Aufgabe wäre Lokal- und Regionaljournalismus in bestimmten Regionen zu Gunsten einer Grundversorgung zu schaffen, statt ein weiteres öffentlich-rechtliches Fernsehprogramm zu schaffen oder sich erneut des modernsten Nachrichtenstudios in Europa zu rühmen, aber eine solche Diskussion wäre wohl im allgemeinen Rahmen öffentlich-rechtlicher Medien zu führen und sollte nicht dazu führen, dass private Investitionen für die Investoren gewinnbringend subventioniert würden.

Weitergehend ist jedoch zu fragen, ob die Lage denn wirklich so verheerend ist, wie die FAZ sie darstellt und welche anderen Wege es aus dem Problem geben könnte.

Das Fehlen von eigenen Regionalteilen erscheint mir, der ich selbst wesentlich vom Konsum von Onlinejournalismus lebe, durchaus zu verschmerzen. Zeitlich ist es nach meiner Erfahrung schon nicht möglich, auch nur einen guten überregionalen Zeitungsteil zu verarbeiten, geschweige denn eine Vielzahl. Mit den Onlineangeboten diverser Zeitschrifen wie Die Welt, Frankfurter Allgemeine, Süddeutsche Zeitung, Spiegel und auch reinen Onlineangeboten wie beispielsweise Heise Online stehen hier mehr als genug auch unterschiedlich positionierte Angebote zur Verfügung.

Und auch wenn die Reichweite von Internetangeboten in diesem Land in Bezug auf die Bevölkerung noch eingeschränkt sein mag, könnte hier ein Weg aus der Misere liegen. Die erforderlichen sächlichen Mittel zur Veröffentlichung und Produktion auf diesem Wege sind überschaubar, so dass sich die Berichterstattung auf eine Vielzahl von Schultern auch in Teilzeit oder Ehrenamt verteilen ließe.

Eine Lösung für tiefer recherchierenden oder gar investigativen Journalismus ist dieses sicherlich nicht, aber es könnte die Ressourcen entlasten, so dass hierfür ggf. eher Mittel frei würden.

Ebenso müsste das Reichweitenprobleme gelöst werden. Hier ist jedoch der Ansatzpunkt für sinnvolle politische Forderungen. Eine flächendeckende Verfügbarkeit von Breitbandinternetzugängen zu attraktiven Preisen ist Voraussetzung für eine hohe Reichweite auch in die ländlichen Gegenden hinein. Des Weiteren wäre Sorge dafür zu tragen, dass diese Medien auch die Bevölkerung erreichen. Hierzu könnten öffentlich geförderte Lehrgänge, eine Förderung von öffentlichen Internetzugängen bspw. in Bücherreien oder Cafes sowie eine intensive Förderung der Internetnutzung und Kompetenz in Schulen dienen. Die letzten Personen wären ggf. über Projekte wie news2paper erreichbar, mit Hilfe derer auf einfache Art vor Ort ein Ausdruck erstellt werden könnte.

All diese Entwicklungen vollziehen sich nach meiner Einschätzung zumindest in städtischen Gebieten von selbst, ließen sich aber gerade auch für dünn besiedelte ländliche Regionen nutzbar machen, wo der physische Transport von Datenträgern ungleich aufwendiger ist, als bei einer hohen Bevölkerungsdichte.

Politisch problematisch dürfte dabei jedoch sein, dass klassische Verlage und Druckerreien aus einem derartigen Geschäftsmodell herausfielen. Wegen ihrer bisherigen wirtschaftlichen Bedeutung ist hier mit erheblicher Gegenwehr zu rechnen  (und wohl auch zu bereits zu beobachten). Jedoch sollte dieses nicht von den notwendigen Schritten abhalten. Heute, einige Jahrhunderte nach Erfindung des Buchdrucks und Jahrzehnte nach dem Photocopierer, kommt auch niemand mehr auf die Idee jemanden zum Abschreiben von Büchern einzustellen.

Abschließend zeigen diese Erwägungen erneut auf, welche Bedeutung moderne Kommunikationmittel, insbesondere das Internet, für unsere moderne (demokratische) Gesellschaft haben bzw. haben könnten.  Gerade auch dieses macht die andernorts immer wieder erhobene Forderung nach Netzneutralität, ungehindertem Zugang zum Internet und ein Verzicht auf Zensur plausibel.

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