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Gnome 3 – Erste Erfahrungen

Gnome 3 Logo

© 2011 The GNOME Project, Lizenz: Creative Commons CC-BY

Das Erscheinen von Fedora 15 mit Gnome 3 als Standarddesktop hat mich neugierig gemacht. Also habe ich begonnen, mir zunächst hiervon Livevarianten zu besorgen, die in meiner VM leider nicht stabil liefen. Testen konnte ich dann mit einer OpenSuse – Livevariante, Fedora 15 live und Ubuntu auf einem Netbook.

Beschreibung

Das Konzept ist Unity in Ubuntu sehr ähnlich, allerdings im Detail meines Erachtens für die meisten Anwendungsfelder gelungener.

So ist der Grunddesktop leer bis auf ein kleines Panel am oberen Bildschirmrand mit den wichtigsten Statusinformationen, einer Uhr, einer Info über das aktuell im Vordergrund laufende Programm und einen Bereich oben links um auf die andere “Ebene” zu gelangen.

Bewegt man die Maus dorthin oder drückt die Windowstaste, so wird der bisherige Desktop in den Hintergrund gedimmt und es öffnen sich drei Spalten.

Links sind die sog. Favoriten, direkte Verknüpfungen zu den wichtigsten Programmen und die laufenden Programme gelistet, in der Mitte findet sich entweder ein Auswahlbereich für alle Programme, der über Suchfilter eingegrenzt werden kann, hier wird auch die Suche bei Google oder Wikipedia unterstützt, dann wird in der Rechten Spalte eine Liste von Programmgruppen angezeigt, die wiederum zur Eingrenzung der Anzeige der mittleren Spalte dient, oder in der Mitte tauchen verkleinert die geöffneten Programme des aktuellen Desktops auf, die hier direkt ausgewählt, geschlossen oder auf einen anderen Desktop geschickt werden können. Dann ist in der rechten Spalte die Auswahl der Desktops, die immer genau einen mehr als derzeit belegt enthält.

Beim Wechsel zwischen den Programmen mittels Alt + Tab werden die Programme aller Desktops nach diesen Sortiert und gruppiert angezeigt, wobei mittels der Coursertaste bei gedrückter Alt-Taste in die Untergruppe gewechselt werden kann.

Am unteren Ende des Desktops ist ein grundsätzlich ausgeblendetes Panel, das zum Einblenden von Benachrichtigungen, die kurzzeitig unten angezeigt werden, dient und zur Aufnahme von Trayicons.

Bewertung

Insgesamt macht das ganze für mittlere Bidschirme einen attraktiven und intuitiv und übersichtlich bedienbaren Eindruck.

Nicht geeignet ist es meines Erachtens jedoch für Netbooks mit nur 1024*600 Pixeln. Hier passt das Gnome zugehörige Evolution schon nicht in der Breite auf den Bildschirm und diverse Dialoge nicht in der Höhe. Das ist umso bedauerlicher, da das Gnometeam gerade auch die Netbookeignung behauptet. Nutzt man jedoch kaum oder nicht die Gnome eigenen Programme, so ist die Desktopenvironment immer noch angenehm platzsparend.

Auch suboptimal finde ich den Desktop für große Bildschirme bspw. am Arbeitsplatz. Durch die platzsparende und übersichtliche Gestaltung gehen leider viele Informationen aus dem direkten Blickfeld verloren, die ich bei der täglichen Arbeit dort gerne sehe (Überblick über meine Desktops, Trayicons mit ihrem aktuellen Status, Programmanzeiger, …).

Gnome3 ist damit ein interessantes Konzept mit einer Daseinsberechtigung aber funktional leider kein Nachfolger von Gnome2.

Auf die Einbindung aufwendiger Bilder wurde verzichtet, da die Bebilderungen und Videos auf http://gnome3.org/ einen guten Eindruck vermitteln.

Windows 7 Upgradeproblem

Seit wenigen Tagen ist Microsoft Windows 7 (Win7) auf dem Markt und allen Vorschusslorbeeren zum Trotz, der Umstieg gestaltet sich schwierig.

Treiberprobleme

Nicht nur, das einige Hardware keine Treiberupdates, teilweise schon seit Windows Vista, mehr erfährt, wie zum Beispiel die Radeon 9200 von ATI, nein, Microsoft (MS) selbst erleichtert mit der Treiberzusammenstellung das Update nicht gerade. So fehlte für einen SiS 900-Based PCI Fast Ethernet Adapter der Treiber im Updatepacket. Nachdem das System aber mit einem bekannten Chipsatz ans Netz gebracht wurde, konnte der Treiber aus den MS-Repositories nachgeladen werden. Die beobachteten Treiberprobleme hatten übrigens durchweg nichts mit der Frage 32 oder 64 Bit zu tun.

Erwerb der Studentenversion als Professional

Aber bis zu diesen Problemen muss man erst einmal gelangen. Kaufte man, wie wir es getan haben, ein Upgrade über das Studentenangebot von MS, so bekam man die Home-Premium aber auch die Professionalvariante (Pro) in 32Bit und 64 Bit zum jeweils gleichen Preis angeboten. Die Pro zu erwerben gestaltete sich jedoch als herausfordernd. Nach der erfolgreichen Registrierung stand zunächst genau die Home-Premium Version in 32Bit und 64Bit zur Auswahl. Eine Wahlmöglichkeit für die Pro war nicht ersichtlich. Dieses klärte sich nach einigem unkoordinierten Gesuche auf, als jemand auf die Idee kam, mal zu schauen, was sich hinter dem Link mit dem ungefähren Inhalt “Ich will mich in eine Domäne integrieren” stand. Dieses ist erst mit der Pro möglich. Und tatsächlich; dahinter verbarg sich die Auswahlmöglichkeit für Win7 Pro.

Installationsprobleme beim Upgrade

So weit so gut, nach dem Download von rund 2,2GB Daten stand das Upgradepaket für die 64Bit Pro Variante bereit und sollte nun den vorhandenen 32Bit WinXP Rechner übernehmen. Das geht so aber leider nicht, wie SpiegelONLINE mittlerweile auch berichtete. Denn MS hat kein Installationsfähiges Medium ausgeliefert, sondern ein Upgradeprogramm, dass in dem vorhandenen Betriebssystem ausgeführt werden musste. Dabei ließ sich der Installer für die 64Bit Version, selbst ein 64Bit-Programm, eben nicht in einer 32Bit-Umgebung ausführen. Einen Hinweis auf diese Problematik beim Erwerb suchte man jedoch vergeblich.

Einen Workaround bot eine noch vorhandene Win7 Alphaversion in 64Bit. Diese noch einmal kurz unter einer geeigneten Systemzeit aufgesetzt ermöglichte die Ausführung des Installers für die neue Variante.

Warum MS nicht einfach ein ISO zum Download anbietet und damit die Installation vereinfacht, sondern bereits hier potentiell langfristige Kunden vergrault, deren Sorge zumindest bei uns gleich weiterging, als nämlich die Aktivierung anstand und wir uns fragten und immer noch fragen, was passiert, wenn wir die Rechner mal wegen eines Neukaufs durchtauschen und dann auf einem anderen installieren möchten, bleibt für mich immer noch ein Rätsel.
Das Raubkopierer sich hiervon abschrecken lassen, halte ich für fraglich. Im Gegenteil: hier wird der zur Entrichtung von Lizenzgebühren bereite Nutzer genötigt, die Grenzen der Sicherheitssysteme zu testen und kommt so leicht ins Grübeln, ob es denn so sinnvoll sei, für diese Gängelung auch noch Geld zu zahlen.

Fazit

Alles in allem bleiben, bei aller ggf. berechtigten im Vorfeld aufgetretenen positiven Kritik an MS Win7, viele grundsätzliche Kritikpunkte an der Geschäftspolitik von MS stehen, insbesondere die Gängelung zahlender Kunden und die mangelnde Stringenz und Funktionsoptimierung in den Angeboten.
Bleibt zu hoffen, dass das morgen bevorstehende Release von Ubuntu 9.10 die übliche positive Gegenerfahrung vermitteln wird.

[Update]

Mittlerweile hat Microsoft über seinen Vertrieb auch ISOs veröffentlicht. Die Links hierzu wurden zumindest auf Nachfrage mitgeteilt. Sie finden sich für diverse Varianten, darunter auch die deutsche und englische sowohl 32 als auch 64 Bit Version von Windows 7 Home Premium und Professional, unter
http://easytopia.de/windows-7-home-premium-und-professional-direkt-download-links/

Bei einem Installationsversuch mit der 32 Bit Variante konnten wir sodann auch diverse alte Treiber, teilweise von Windows 2000, erfolgreich verwenden. Wahrscheinlich ist entsprechendes mit alten 64 Bit Treibern ebenso möglich, soweit sie vorliegen.

Ubuntu 9.10 hat im Übrigen leider nicht die positive Gegenerfahrung geliefert, sondern sich wohl eher an MS Windows Vista orientiert (vgl. auch Linux User Community Edition 12/2009, Editorial).

[Update 2]

Mit den ISOs wurde zwischenzeitlich eine Installation der 32-Bit Variante auf einem Netbook vorgenommen. Hierzu wurde auch die Partitionierung geändert und “sauber”, also komplett neu, installiert.
In Folge dessen musste Windows aktiviert werden. Die gekauften Lizenzen waren Upgrade-Lizenzen einmal für 32, einmal für 64 Bit. Bei dem Versuch eine Aktievierung auf dem neuinstallierten Netbook mit dem 32-Bit-Schlüssel durchzuführen, wurde diese unter dem Hinweis auf eine Upgradelizenz verweigert, da eine alte Windowsversion nicht vorinstalliert gewesen sei. Entsprechendes war mit dem 64-Bit-Schlüssel auf einem anderen Rechner, auf dem auch die 32-Bit-Variante installiert wurde, nicht aufgetreten.
Diese Verweigerung ließ sich umgehen durch einen Eingriff in die Registry. Eine Anleitung hierfür findet sich hier.

Ergänzend zu dem verlinkten Artikel wage ich die These zu bilden, dass die Verweigerung bei Keys, die für die 64-Bit-Variante ausgegeben wurden nicht auftritt, da hier ursprünglich auch ein Upgrade aus der bestehenden 32-Bit-(XP)-Version nicht möglich war.
Es bleibt die Frage, warum MS seine zahlenden Kunden mit unwirksamen und unsinnigen Schutzmechanismen gängelt.

Weiteres Argument für ODF

Wie diversen Medien zu Entnehmen ist (Beispiel), droht Microsoft in den USA wegen möglicher Patentverletzungen ein Verkaufsverbot für MS Word in den aktuellen Versionen. Hierbei soll das XML – Format (OOXML mit der Dateiendung “docx”) ein Patent von I4i, einem kanadischen Unternehmen, verletzen.

Wie das Unternehmen habe verlauten lassen, sei jedoch OpenOffice.org, welches bedingt OOXML importieren kann, nicht betroffen.

Selbst wenn bei ODF entsprechendes drohen würde, wäre aufgrund der Unterstützung durch diverse OpenSource Projekte weltweit wohl kaum mit einem Wegfall aller kompatiblen Programme zu gleich zu rechnen, so dass zeitnah für die Dokumente keine geeignete Software neu erhältlich wäre.

Die Kompatibilität hingegen zwischen OOXML und ODF, dem von OpenOffice.org verwendeten Dokumentenformat, ist nicht gewährleistet, wie eine Untersuchung des Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme laus heise-online ergeben haben soll.

Dabei ist zu beachten, dass insbesondere Microsoft die Kompatibilität zu dem früher zertifizierten und seit jeher offenliegenden ODF nicht unterstützt, umgekehrt aber nur MS-Office annähernd OOXML Kompatibel ist. Das wiederum ist zunächst für Windows, (manchmal) auch für MacOS erhältlich, nicht aber für weitere Betriebssysteme.

Damit ergibt sich für mich wieder einmal der quasi zwingende Schluss, dass der Verweis auf die MS-Office eigenen Dateiformate an sich nicht zumutbar ist, der auf ODF jedoch durchaus und sich geradezu aufdrängt.

Votum für ODF

Seit vielen Jahren sind MS-Office Dateiformate der de facto Standard im Bereich der Büroanwendungen.

Das Problem hierbei ist, dass die Dateiformate proprietär sind und von Microsoft nicht offen gelegt wurden. Auch wenn viele Anwendungen mehr oder weniger hiermit umgehen können, da die Programmierer versuchten, das Format nachzubauen, ist eine perfekte Unterstützung nur durch MS-Office und damit zuverlässig auch nur unter Windows zu erhalten. (Selbst die Mac OS Variante wurde in der Vergangenheit nicht immer zeitnah aktualisiert und unter Linux hängt der Nutzer über das WINE-Projekt häufig zumindest in der Version hinterher.)

Somit bietet das Dateiformat auch eine Bindung an den Anbieter der Office-Suite und des Betriebssystems und erfordert wiederholte Investitionen in Lizenzen. Nutzt man dieses Format dann noch zum Dokumentenaustausch, werden auch Dritte in diese Abhängigkeit gezwängt.

Abhilfe soll das 2006 ISO-zertifizierte OASIS Open Document Format For Office Applications schaffen. Hiermit sollte ein anwendungsübergreifender Standard eingeführt werden, so dass der Anwender die Wahl zwischen einer Vielzahl von Büroprogrammen haben kann, ohne deshalb die Dateien nicht mehr richtig verarbeiten zu können.

Unterstützt wird die aktuelle Spezifikation neben kleineren Programmen derzeit insbesondere von OpenOffice.org, welches unter einer freien Lizenz steht und für viele Plattformen (Windows, Mac OS, Linux, …) frei verfügbar ist.

Eigentlich wollte auch Microsoft das Format zunehmend unterstützen, scheint hierbei aber entweder eingeschränkt fähig oder auf Verzögerung zu setzen, siehe u. a.:

http://www.heise.de/newsticker/ODF-Alliance-unzufrieden-mit-MS-Office-2007–/meldung/138293

http://www.linux-community.de/Internal/Nachrichten/ODF-Kompatibilitaet-von-MS-Office-2007-Grosser-Schritt-rueckwaerts

http://www.linux-magazin.de/NEWS/ODF-Alliance-Microsoft-Support-fuer-ODF-mangelhaft

Abhilfe kann für die Nutzer von MS-Office 2003 und 2007 ein von Sun kostenlos zur Verfügung gestelltes Tool liefern, das Sun ODF Plugin for Microsoft Office. (Leider erfordert der Download bei Sun direkt eine Registrierung.)

Vor der Möglichkeit MS-Office (bedingt) ODF kompatibel zu machen und der Möglichkeit Microsofts dieses auch vollständig zu gewähleisten ist es meines Erachtens sinnvoll auf ODF zu setzen. Denn nur so kann einem Missbrauch eines faktischen Monopols seitens Microsoft entgegen gewirkt werden und der Anwender seine Bürosuite und sein Betriebssystem (relativ) frei wählen.